Muss ein Ski aussehen wie ein Ski?
Länger als breit ist klar, aber ansonsten? Die großen Innovationen der Vergangenheit waren die Stahlkante und die Taillierung. Seitdem fahren Ski fast wie von selbst, greifen auch auf Eis. Ein breiterer Ski macht im Tiefschnee mehr Spaß, wird aber auf der Piste irgendwann unfahrbar… Wer jedoch denkt, dass die Skihersteller mit ihrem Latein am Ende wären, der liegt falsch.
Seit einigen Jahren sind Ski mit inversen Sidecuts und inverser Vorspannung erhältlich - die surfbrett-ähnlichen Latten fahren im Pulverschnee sensationell, auf der Piste und sonstwo aber überhaupt nicht mehr. Seit letztem Jahr hingegen sind Rocker voll im Trend: Eine frühere Aufbiegung lässt den Ski im Tiefschnee schneller aufschwimmen, liegt durchgebogen auf der Piste aber immer noch mit voller Kantenlänge auf - zumindest an der Front ist ein kleiner Rocker also einigermaßen sinnig. Armada hat zuerst verstanden, dass die Kombination aus tarditionellem Ski und “Wasserski” ein guter Kompromiss ist. Dieses Jahr hat man die nur Detailverbessert, andere Längen sind im Angebot. Eine ähnliche Strategie fährt auch Atomic, bis auf neue Farben bleiben die Modelle Bent Chetler, Access, Atlas und Blog aber unverändert.

Und sonst keine Innovation?
Doch, es wird noch experimentiert. Erwähnenswert an dieser Stelle: Salomons BBR, der Ski der den klassischen Sidecut durch einen V-Sidecut ersetzen soll - die Schaufel ist erheblich breiter als das Skiende, dennoch ergibt sich durch eine schmale Taille ein kleiner Radius, wodurch er auf der Piste Spaß macht, während die breite Nase abseits der Piste Uboot-Fahrten entgegen wirkt. Form und Design sind an Wasserski / Surfbretter angelehnt, das ganze gefällt und sollte schleunigst ausprobiert werden.


Bei DPS machte ein ziemlich unorthodoxer Ski auf sich aufmerksam: Statt einer geraden Kante und einem ebenen Belag verfügt der mit der “Cleat-Technology” ausgestattete Spoon 150 Ski über eine leichte Aufbiegung der Kanten, nur an wohldefinierten Stellen vorne und hinten ist der Ski markant ausgebeult. Das Resultat: Dort wird die Kante immer greifen, während der Rest des Skis (gerade im Tiefschnee) unirritiert auch quer gleiten kann. Ich wäre auf eine Testfahrt gespannt, ich befürchte zu wenig Halt auf Eis direkt unter der Bindung, interessant ist das Konzept aber allemal.

LaSportiva - meines Erachtens nach genialer Schuhhersteller aus Italien - zeigte auch eine Bindung und diverse Ski, anscheinend optimal passend zu den eigenen Carbon-Skischuhen. Bei der Bindung handelt es sich um eine Alu-Dynafit (238g), bei den Ski um interessant gebogene, äußerst leichte Latten. Mangels eigenem Know-How dürften die Teile aber entweder gut gelabelt oder einfach unbrauchbar sein.

Am Stand von Powder Equipment fand sich dann der interessanteste Ansatz, die Vorspannung des Skis für ein besseres Fahrverhalten in allen Situationen zu modifizieren: Der “Powder Equipment Future Camber” steht für eine höchst inkonventionelle Vorspannung: An der Skispitze findet sich eine leichter Rocker, nach 35cm setzt der Kontakt ein. Ab dort ist der Ski konventionell vorgespannt, jedoch nur bis unter die Bindung, wo der Ski erneut Bodenkontakt hat, nur um dann nochmals konventionell vorgespannt zu sein, bis das Skiende flach mit Kontakt ausläuft.
Sinn und Zweck dieser Wellenlinie? Der Rocker dürfte klar sein, die normale Vorspannung ebenfalls. Der Böppel unter der Bindung allerdings führt dazu, dass der Ski unterhalber des Schuhs sofort und massiv greift - was optimal auch für eisige Pisten ist. Im Tiefschnee biegt sich der Ski etwas leichter durch, Schweben für alle. Dank der gewohnt niedrigen Gewichte ist selbst der breiteste Ski, der Pionier, noch einigermaßen tourentauglich. Type B (100mm underfoot) und Type A (90mm underfoot) kommen ebenfalls mit dem Futurecamber und richtig niedrigen Gewichten.
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